Der folgende Text veranschaulicht am Beispiel clientzentrierter Web Quizzes eine einfache Feinspezifikation. Sie geht von der Grobspezifikation aus und ist relativ einfach, weil sie von den bereits vorliegenden Access Quizzes ausgeht. Die Feinspezifikationen vieler betrieblicher Anwendungen sind komplexer und können Monate beanspruchen. Sie zeichnen sich vor allem durch aufwändige Befragungen künftiger Benutzer und des Auftraggebers aus.
Die Erstellung, Darbietung und Bewertung von Web Quizzes ist Teil des Anwendungspakets TESTS. Dieses kann Aufgaben standalone, über ein lokales Netzwerk oder auf dem World Wide Web verwalten und besteht aus zwei Komponenten:
Ein Quiz besteht aus Mehrfachwahl- und Zuordnungsaufgaben, die sich automatisch darbieten und bewerten lassen. Mit einem Klick auf die Schaltfläche »Web Quiz exportieren der Autorenkomponente soll die Testautorin die Aufgaben eines gewählten Termins als Web Quiz generieren können.
Entwickeln Sie zuerst eine Minimalspezifikation in Form einer Standalone-Lösung (Ziffer 1). Erst nach dem erfolgreichen Test der Minimalvariante realisieren Sie die Maximalspezifikation (Ziffer 2):
Standalone-Minimalspezifikation: Durch einen Klick auf »Web Quiz exportieren exportiert die Testautorin den Code und die Daten für Internet Explorer. Mit dem exportierten Quiz kann ein Teilnehmer ohne Internetanschluss seine Antworten selbst korrigieren. Ein Export der Antworten an die Aufgabenbank TESTVERWALTUNG_BACKEND ist nicht erforderlich.
Client/Server-Maximalspezifikation: Durch einen Klick auf »Web Quiz exportieren exportiert die Testautorin den Code und die Daten als Quiz, der sich mit oder ohne Internetanschluss bearbeiten lässt. Ein Teilnehmer mit Internetanschluss kann - analog zu Access Quiz - seine Antworten nach Testabschluss an die Serverdatenbank TESTVERWALTUNG_BACKEND übermitteln. Die Korrektur erfolgt off line aus der Autorenkomponente.
Realisieren Sie die Spezifikation, ohne die Struktur der bereits bestehenden Aufgabenbank TESTVERWALTUNG_BACKEND zu ändern. Web Quiz soll die gleichen Tabellen wie ein Access Quiz verwenden. Auch die Benutzeroberflächen von Web Quiz und Access Quiz sollen gleich sein. Das Startformular von Web Quiz enthält wie jenes von Access Quiz die folgenden Menüpunkte:
Ein Klick auf »Test lösen führt zu einem Menü jener Aufgaben, welche die Testautorin in Testverwaltung.mdb als Quiz exportiert hat (vgl. Test lösen in Access Quiz).
Der Bericht »Musterlösung anzeigen gibt die richtigen Antworten auf dem Bildschirm oder Drucker aus (vgl. Musterlösung ausgeben in einem Access Quiz). Er kann nur gewählt werden, wenn die Testautorin vor der Generierung die Korrektur durch den Testteilnehmer erlaubt hat.
Wenn der Bearbeiter »Test verlassen und ev. abgeben wählt, dann wird die Anwendung ohne weitere Aktion verlassen (Minimalspezifikation). Die Maximalspezifikation speichert vor dem Verlassen die Quizantworten zur späteren Auswertung in der Serverdatenbank TESTVERWALTUNG_BACKEND.
Achten Sie darauf, dass die Formulare des Web Quiz möglichst wenig vom Layout der entsprechenden Access Quiz-Formulare abweichen.
Ein Web Quiz muss ohne Access-Lizenz lauffähig sein. Dies schliesst die Verwendung von Datenzugriffsseiten aus.
Die Minimalspezifikation erfordert keine Kommunikation zwischen dem Webserver und dem Client. Die Antworten korrigieren die QuizteilnehmerInnen selbst (vgl. Access Quiz). TeilnehmerInnen ohne Internetanschluss müssen den Quiz auf einen Datenträger kopieren und zuhause unter Internet Explorer lösen können.
Die Maximalspezifikation erlaubt das Laden des Quiz und die Übermittlung der Quizantworten an die Serverdatenbank TESTVERWALTUNG_BACKEND. Sie ermöglicht so eine Testdarbietung über das Internet, ohne dass auf jedem Rechner Access installiert sein muss. Es genügt, wenn Sie die Quizergebnisse in HTML-Form speichern und dem Webserver senden. TESTVERWALTUNG_BACKEND wird dann die HTML-Ergebnisse umwandeln und seinen Scoretabellen anfügen (vgl. Access Quiz).
Die Wahl der Werkzeuge ist didaktisch motiviert: Die gesamte Fallstudie TESTS soll für Studierende mit Access-, Visual Basic- und HTML-Kenntnissen verständlich sein. Achten Sie deshalb auf einen gut lesbaren und dokumentierten Code. Als Werkzeuge eignen sich Access 2000 oder später (Quizgenerierung), Internet Explorer 5.0 oder später (Quizdarbietung) und VBScript (Interaktion mit dem Benutzer).
Studieren Sie das Datenbankmodell von QUIZ_BACKEND, damit Sie erkennen, welche Daten Sie aus TESTVERWALTUNG_BACKEND beziehen.
Entwickeln Sie mit einem Ihnen bekannten HTML-Autorenwerkzeug (zum Beispiel MS FrontPage) einen Beispielquiz, der unter Internet Explorer 5.0 und später abläuft. Gehen Sie dabei von einer festen Aufgabenzahl aus. Machen Sie sich aber bereits Gedanken über eine Flexibilisierung mit Template- und Platzhalterteilen.
Abstrahieren Sie vom konkreten Beispielquiz und wählen Sie eine HTML- bzw. VBScript-Struktur, die eine beliebige Anzahl von Testfragen und Zuordnungspaaren erlaubt. Trennen Sie dabei systematisch zwischen Template und Platzhaltern.
Überlegen Sie sich, wie Sie aus Access Textdateien, insbesondere HTML-Dateien, erzeugen können.
Implementieren Sie in der Autorenkomponente die Ereignisprozedur BtnWebQuizMitSelbstkorrektur_Click() so, dass HTML-Code erzeugt wird, der zusammen mit dem Templatecode im Internet Explorer 5.0 als Web Quiz dargeboten werden kann.